Weil Philipp Mohra zwar auf der Bank, aber kurzfristig mit einer Handverletzung nicht spielfähig war, musste Offenbachs Trainer Michael Übel bereits vor Anpfiff in der Abwehr umplanen. Ohne Innenblockspieler Mohra deckten es die Hausherren etwas offensiver, was die Gäste aus Bingen mit Einläufern von den Außenpositionen zu kontern wussten. Linksaußen Lorenzo Lang, insgesamt mit sechs Toren erfolgreich, und sein Gegenüber Julius Michel brachten die TVO-Abwehr ein ums andere Mal in Abstimmungsprobleme. Gleich fünf Mal führte das Zum Tor oder Siebenmeterpfiff, drei Tore erzielte Lang alleine in den ersten zehn Minuten der Partie auf diese Weise. So auch zum 4:7 (9.), der ersten Drei-Tore-Führung der HSG.
Aber: Der TVO fand oft eine Antwort im eigenen Angriffsspiel, wirkte stets gefährlich und variabel. Vor allem Linkshänder Max Dotterweich machte vorne ein gutes Spiel und brachte den TVO mit seinem vierten von zehn Treffern nach 17 Minuten zum 9:9-Ausgleich. Luca Metz markierte wenig später sogar die erste Führung der Offenbacher, aus dem 11:10 (20.) machte Bingen nach TVO-Timeout jedoch wieder ein 11:14 (22.). Ein letztes Mal noch kamen die Gastgeber durch Metz zum erneuten Ausgleich, die Schlussphase der ersten Halbzeit nach seinem Schlagwurftor zum 14:14 (24.) sollte dann allerdings ein Vorbote für eine gänzlich andere zweite Halbzeit sein.
Bingen hielt das Tempo die verbleibenden fünf Minuten hoch und hatte mit Michel – mittlerweile im Rückraum zu finden – einen Mann für schnelle Tore nach eigenem Anspiel (14:15). Weil auch das Einlaufen von Lang ein letztes Mal funktionierte, ging es mit dem alten Drei-Tore-Abstand in die Pause (16:19).
Dieser wurde bald zu einem 17:22 (37.) und 20:27 (44.) ausgebaut, Offenbach kam nicht mehr ran. Dennoch: offensiv war der TVO sehr gefällig, überzeugte mit Nachläufer-Spielzügen, schnellen Toren nach Bellgewinnen und frei improvisierten Aktionen, wie einem langen Metz-Pass auf Dotterweich, der bei Zeitspiel mit feinem Dreher verwandelte (25:30, 51.). In Summe jedoch war der Viertplatzierte Bingen eine Nummer zu groß für den TVO.
„Im Angriff haben wir heute ein richtig gutes Spiel gemacht, finde ich“, so Trainer Michael Übel, dem gerade die Spielsteuerung im dezimierten Rückraum gefiel. Nach einer sehr guten ersten Hälfte sei es auch den nachlassenden Kräften geschuldet, dass seine Mannschaft im zweiten Durchgang die Niederlage nicht mehr verhindern konnte. „Ein Team wie Bingen lässt sich das dann nicht mehr nehmen. Sie sind zu erfahren und abgezockt. Am Ende waren es zu viele einfache Fehler in der Absprache, aber es fühlt sich nicht an wie eine Sechs-Tore-Niederlage“, sagte Übel.
Gäste-Trainer Markus Herberg: „Ich glaube für uns Trainer war dieser Spielverlauf so erwartbar, wir haben unterm Strich auch verdient gewonnen. Mit der Abwehr bin ich heute aber nicht so zufrieden. Dass wir am Ende die vollere Bank haben und hintenraus wechseln können, war dann schon ein Vorteil.“
Weil Saulheim sein Heimspiel gegen Kastellaun/Simmern am Samstag gewann, steht der TVO nun am Tabellenende der Regionalliga. Er reist mit drei Punkten am kommenden Samstag zum Lokalderby nach Bellheim.
Der TVO: Geiger, Schwarzweller – Dotterweich (10), Benz (6), Metz (5), Fuchs (4), Bader (4/1), Heichel, Kunz, Klein, Michel, Luca Pabst, Linus Pabst.
(Daniel Meyer)












